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Die beiden Bischöfe und die
in der Stadt bestehenden Klöster besaßen ihre eigenen Archive.
Die
in der altpolnischen Kanzlei angefertigten Dokumente wurden wahrscheinlich
im Sitz des Stadtrats aufbewahrt, der seit dem Jahre 1563 im neugebauten
Rathaus untergebracht wurde. Nach der ersten Teilung Polens befindet sich
Przemyśl unter österreichischer Herrschaft und im Jahre 1789 erhielt
die Stadt ein neues Vorrecht, dank dem das ehemalige Stadtratsamt und das
Schöffenamt durch einen neuaufgebauten Magistrat ersetzt wurden. Eine Änderung
folgte
auch in der Einrichtung der Kanzlei. Die altpolnischen Registerbücher
werden nicht mehr fortgesetzt, Magistratsbeamten hingegen fertigen
Verzeichnise zu den Schöffenbücher
an. Infolge dessen
wurde die Mehrheit des
altpolnischen Archivs, mit Ausnahme der Pergamindiplome, in einem der
Magistratsräume untergebracht
und dort blieb sie
nach der Besitznahme des Gebäudes durch das im Jahre 1855 gegründete
Bezirksgericht in Przemyśl.
Die Stadtakten wurden damals mit den Gerichtsakten
zusammengefügt. Diese Situation dauerte bis zum Jahre 1874, in dem
die dem Gericht übertragenen Akten der Stadt zurückgegeben
wurden. Das zurückgewonnene Archiv wurde, auf den Antrag des Przemysler Bürgermeisters
Dr. Walery Waygart, der Obhut von Mieczysław Błażkowski,
anvertraut. Der letzte bearbeitete in den Jahren 1874-1877 den „Katalog
des altertümlichen Archivs der königlichen Stadt Przemyśl“, der
bis heute eine Quelle der wertvollen Informationen über Geschichte und
Inhalt der altpolnischen Archivalien bildet. Die Zeit der zwei Weltkriege brachte keine großen Verwüstungen in dem
altpolnischen Aktenbestand. Während des I. Weltkriegs wurde das
Przemysler Archiv sogar um neue Bestandseinheiten reicher, weil im Juli
1916 das Komitee des Kriegsarchivs in Przemyśl berufen wurde, das
eine Delegatur des polnischen Kriegsarchivs in Wien war. Die Kampagne, die von diesen Institutionen und dem damaligen
Stadtarchivaren, Tadeusz Troskolański, unternommen wurde, führte zu
der Ansammlung von Druckschriften, Bücher, Tagebücher, Presse in der
polnischen, ukrainischen und deutschen Sprache, die die polnischen
Angelegenheiten während des ersten Weltkrieges und
die Geschichte der belagerten Festung in Przemyśl betrafen.
Das von einer Archivarin, Maria Polaczkówna, angefertigte Inventar des
Kriegsarchivs wurde leider nicht erhalten. In der Zeit der II. Republik
Polens wurde dagegen ein zweiter Versuch unternommen, die altpolnischen
Akten zu ordnen. Der stellvertretende Archivar, Jan Smółka, in
Anlehnung an den Katalog von Błażkowski, gab den Stadtdokumenten
eine neue Gliederung, und das Ergebnis dieser Bearbeitung war der im Jahre
1927 herausgegebene „Katalog des Archivs der alten Akten der Stadt
Przemyśl“.
Während des II. Weltkriegs wurde der altpolnische Bestand drei Mal aus
der Stadt weggebracht, im Jahre 1940 wurde er von der sovjetischen
Besetzungstruppen nach Lwów (Lemberg) gebracht, woher er im Jahre 1943
zurückgekommen ist.
Die nochmalige Evakuierung
wurde von
den sich zurückziehenden
deutschen Truppen angeordnet.
Als Resultat dessen befanden sich die Przemysler Archivalien in Tyniec bei
Kraków (Krakau) und wurden erst im Jahre 1947 wiedergewonnen. An Ort und Stelle wurden während der
ganzen Kriegszeit die Dokumente aus dem XIX. Jahrhundert
aufbewahrt, die die Geschichte der Stadt betrafen. In der Nachkriegszeit
wurde der Archivbestand hauptsächlich um die Akten der Stadt- und
Sonderverwaltung, kulturellen Institutionen, Gerichtsakten,
Notariatsurkunden und Schulakten aus der ehemaligen Rzeszower
Wojewodschaft erweitert.
Nach dem Tod von Jan Smółka im Jahre 1951 wurde der Posten des
Stadtarchivars von Dozent Kazimierz
Arłamowski übernommen, der das Amt bis zur Zeit der Übernahme des
Stadtarchivs durch den Staat im Jahre 1950 ausübte. Laut der Verordnung
des Bildungsministers vom 10. November 1950 wurde das
Wojewodschaftstaatsarchiv in Rzeszów eingerichtet. Das Archiv der Stadt
Przemyśl wurde, nach dessen Einbeziehung in das Archivstaatsnetz im
Juni 1951, dem Wojewodschaftstaatsarchiv in Rzeszów untergeordnet. Es
erhielt den Namen `´ Wojewodschaftstaatsarchiv in Rzeszów, Filiale
Przemyśl``. Die schwierigen Raumverhältnisse des Wojewodschaftstaatsarchivs in Rzeszów
verursachten seine Verlegung nach Przemyśl, wo das
Wojewodschaftstaatsarchiv in Rzeszów mit Sitz in Przemyśl gegründet
wurde. Gleichzeitig wurde die Filiale in Przemyśl aufgelöst, und an
der Stelle des Wojewodschaftstaatsarchivs in Rzeszów entstand eine
Lokalfiliale. Direktor des
Wojewodschaftstaatsarchivs in Rzeszów mit Sitz in Przemyśl wurde der
Dozent Kazimierz Arłamowski. Die Raumverhältnisse, zwar besser als
die in Rzeszów, haben jedoch die Bedürfnisse des neugegründeten Archivs
nicht befriedigt. Die vorgenommenen Bemühungen führten dazu, daß das
Gebäude von der Stadtverwaltung im Januar 1961
der ehemaligen griechisch-katholischen Kirche nach den Basilianermönchen
in der PCK Str.4 übernommen wurde. Nach der gründlichen Instandsetzung
des erhaltenen Gebäudes fanden hier
Lagerräume, eine Bibliothek, ein wissenschaftliches Arbeitsraum,
ein photographisches Atelier, eine Buchbinderwerkstatt und Verwaltungsräume
ihren Platz. Der Direktor vom WSA, Dozent Kazimierz Arłamowski,
orgenisierte neben seinen Bemühungen um das Gebäude und dessen
Instandsetzung, ein Staatsarchivnetz , das mit seiner Tätigkeit das
Gebiet der Rzeszower Wojewodschaft umfaßte. Es enstanden der Reihe nach
folgende Archive: in Jasło (1952), Tarnobrzeg (1953), Sanok(1954),
Przeworsk (1961). Nach der Pensionierung des Direktors Kazimierz Arłamowski
im Jahre 1970 wurde der Sitz des WSAs wieder nach Rzeszów verlegt, in
Przemyśl dagegen entstand die Lokalfiliale, derer Leiterin Mgr. Wanda
Kaput wurde, und nach deren Umzug nach Kraków
Aurelia Dziedziuk. Die Gründung der Przemysler Wojewodschaft im
Jahre 1975 und auch die gute Raumbasis des Archivs, der umfangreiche
Bestand, die Tradition des wissenschaftlichen und kulturellen Zentrums
waren die Grundlage für die Berufung der Verordnung Nr. 4 des Ministers
der Wissenschaft, der Hochschulen und der Technik vom 21. Januar 1976 des
Wojewodschaftstaatsarchivs in Przemysl, das die Region der Wojewodschaft
Przemysl umfaßte. Das Amt der stellvertretenden Direktorin wurde Aurelia
Dziedziuk anvertraut, seit dem 1. August 1976 wurde Dr. Zdzisław
Konieczny zum Direktor. Dank seinen Bemühungen übergab der Przemysler Präsident
im Jahre 1977 dem Archiv zusätzliche Räume des ehemaligen Klosters bei
der Basilianerkirche, früher von Nonnen benutzt , die 1976 ausgezogen
waren. In den Jahren 1983-1988 wurde das Gebäude wieder renoviert und
ausgebaut. Die Bauarbeiten wurden während der normalen Archivstätigkeit
ausgeführt, und die Archivangestellten arbeiteten unter sehr schweren
Bedingungen. Weitere Veränderungen folgten im Zusammenhang mit den
Systemreformen des Staates. Das Gesetz über das Verhältnis zur katholischen Kirche in der
Volksrepublik Polen, das 1986 durch den Sejm verabschiedet wurde, ermöglichte
Vermögensansprüche der griechisch-katholischen Kirche. Die Basilianermönche
nutzten es aus, indem sie ihre Ansprüche zur Vermögenskomission in
Warschau erhoben, die mit dem Entschluß vom 1. Oktober über die Rückgabe
der ehemaligen Kirche und des Klosters der Basilianermönche entschied.
Die Hauptverwaltung der Staatsarchiven in Warschau hatte keine Mittel für
den Bau eines neuen Archivgebäudes in Przemyśl. Dank der Unterstützung
der Przemysler Institutionen u.a. durch den Stadtpräsidenten von Przemyśl,
des Przemysler Wojewoden gelang es dem Archiv das Gebäude der ehemaligen
Wasch- und Badeanstalt in Przemyśl zu bekommen. Die Erwerbung der
Mittel für die Hauptinstandsetzung und Modernisierung des vom
Bildungsministeriums erhaltenen Gebäudes war möglich dank den Bemühungen
der Wojewodschaftsbehörden von Przemyśl, zahlreichen
Sozialorganisationen, des Hauptdirektors der Staatsarchive in Warschau,
und auch des Leiters der Finanzabteilung der Hauptverwaltung der
Staatsarchive. Zusätzliche Mittel erwarb man von dem Sejmausschuß der
Nationalen und Etnischen Minderheiten, aus dem Rehabilitationfonds für
behinderte Personen, des Umweltschutzfonds und vom
Wojewodschafts-konservatoren für Kunstwerke. Als Ergebnis der
Renovierung, die von 1992 bis 1996 dauerte, besitzt das Staatsarchiv in
Przemysl ein Gebäude, das den Archivanforderungen gewachsen ist. In den
neuen Lagerräumen befinden sich 7 000 laufende Meter Akten. In dem neuen
Gebäude befinden sich außerdem ein antimagnetischer Lagerraum, der zur
Aufbewahrung neuer Datenträger geeignet ist,
getrennte Räume zur Annahme der Akten, die keiner Desinfektion bedürfen
und separate für die, die einer bedürfen mit einem Vakuumraum für Aktendesinfizierung, Räume der Konservationsab-
teilung ( darunter photographisch
- reprographisches Atelier
und Buchbindungswerkstatt), ein für ein Computerzentrum bestimmter
Raum und Anschluß zum zukünftigen Computernetz der Archive, eine
Bibliothek mit Leseraum, ein kleiner Konferenzsaal, Arbeitszimmer zur
Aktenbearbeitung, Büroräume und viele andere, die zum Betrieb eines
modernen Archivs nötig sind.
Im Jahre 1996 wurde Dr. Zdzisław Konieczny pensioniert. In
einem Konkurs wurde Mgr. Bogusław Bobusia zum Direktor gewählt.
Das Staatsarchiv in Przemyśl arbeitet seit vielen Jahren mit
Landgesellschaften, v.a. mit der Przemysler Abteilung des Vereins der
Polnischen Archivare, der Przemysler Abteilung der Polnischen Historischen
Gesellschaft und der Wissenschaftlichen Gesellschaft, dem Verein der
Freunde der Stadt Przemyśl und der Region, dem Polnischen Osteuropäischen
Verein und vielen anderen zusammen. Seit ein paar Jahren steht das Archiv im Kontakt mit der Fakultät für
Geschichte und Archivlehre der Mikołaj-Kopernik-Universität in Toruń,
wo in Rahmen der ergänzenden Studien die Przemysler Archivare ihre
Berufsqualifikationen, v.a. im Bereich der Digitalisierung der Archiven,
erweitern. Im Jahre 1997 wurde eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit mit
dem Zentralen Historischen Staatsarchiv in Lemberg abgeschlossen, in deren
Rahmen ein Erfahrungsaustausch und eine Zusammenarbeit im Bereich der
gemeinsamen Publikationen unternommen wurde, die den Benutzer den Zugang
zu Quelleninformationen ermöglicht.
Ausführliche Informationen, die verschiedene Formen
der wissenschaftlichen Arbeit, der Verlags-, und Popularisierungsarbeit
des Staatsarchivs in Przemyśl betreffen, werden in gedruckten, jährlichen
Berichterstattungen über die Tätigkeit der Institution in
aufeinanderfolgenden Nummern des „Archivarisch-Historischen
Jahrbuches“ herausgegeben.
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