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Geschichte

    Die Anfänge des Staadtarchivs in Przemyśl gehen in das Mittelalter zurück und sind mit der Stadtgründung nach dem Magdeburger Recht und mit der Entstehung der ersten Institutionen verbunden: des Stadtrats und  der Schöffenbank.
 
Der Terminus selbst – archivum civile ( Stadtarchiv ) – wurde zum ersten Mal in einem Dokument aus dem Jahre 1635 aufgeschrieben. Der aus der altpolnischen Zeit überlieferte Aktenbestand spiegelt die ereignisreiche Geschichte der Stadt und dokumentiert die differenzierte Konfessions- und Nationalzusammensetzung der Przemysler Bürger. Schon in der altpolnischen Zeit war Przemyśl ein wichtiges Zentrum der Stadt- und Kirchenverwaltung. Seit dem entgültigen Anschluß der Stadt an den polnischen Staat, was in den 80er Jahren des XIV. Jhs. folgte, war Przemyśl die Kreisstadt und die Hauptstadt der Przemysler Region, im XV. Jh. hingegen entstanden Gerichte: Kreis-, Land-, und Kämmerergerichte.
In der Stadt hatten auch Bischöfe zweier Diözesen ihren Sitz: der römisch- katholischen und der griechisch-orthodoxen, und nach dem Eintritt in die Union („Unia Brzeska“) am Ende des XVII. Jhs. wurde der griechisch- orthodoxe Wladika durch den unierten ersetzt.

Die beiden Bischöfe und die in der Stadt bestehenden Klöster besaßen ihre eigenen Archive.
Die in der altpolnischen Kanzlei angefertigten Dokumente wurden wahrscheinlich im Sitz des Stadtrats aufbewahrt, der seit dem Jahre 1563 im neugebauten Rathaus untergebracht wurde. Nach der ersten Teilung Polens befindet sich Przemyśl unter österreichischer Herrschaft und im Jahre 1789 erhielt die Stadt ein neues Vorrecht, dank dem das ehemalige Stadtratsamt und das Schöffenamt durch einen neuaufgebauten Magistrat ersetzt wurden. Eine Änderung folgte
auch in der Einrichtung der Kanzlei. Die altpolnischen Registerbücher werden nicht mehr fortgesetzt, Magistratsbeamten hingegen fertigen Verzeichnise zu den Schöffenbücher  an. Infolge  dessen wurde die Mehrheit des altpolnischen Archivs, mit Ausnahme der Pergamindiplome, in einem der Magistratsräume   untergebracht   und dort  blieb sie nach der Besitznahme des Gebäudes durch das im Jahre 1855 gegründete Bezirksgericht in Przemyśl.
   Die Stadtakten wurden damals mit den Gerichtsakten zusammengefügt. Diese Situation dauerte bis zum Jahre 1874, in dem  die dem Gericht übertragenen Akten der Stadt zurückgegeben wurden. Das zurückgewonnene Archiv wurde, auf den Antrag des Przemysler Bürgermeisters Dr. Walery Waygart, der Obhut von Mieczysław Błażkowski, anvertraut. Der letzte bearbeitete in den Jahren 1874-1877 den „Katalog des altertümlichen Archivs der königlichen Stadt Przemyśl“, der bis heute eine Quelle der wertvollen Informationen über Geschichte und Inhalt der altpolnischen Archivalien bildet. Die Zeit der zwei Weltkriege brachte keine großen Verwüstungen in dem altpolnischen Aktenbestand. Während des I. Weltkriegs wurde das Przemysler Archiv sogar um neue Bestandseinheiten reicher, weil im Juli 1916 das Komitee des Kriegsarchivs in Przemyśl berufen wurde, das eine Delegatur des polnischen Kriegsarchivs in Wien war.  Die Kampagne, die von diesen Institutionen und dem damaligen Stadtarchivaren, Tadeusz Troskolański, unternommen wurde, führte zu der Ansammlung von Druckschriften, Bücher, Tagebücher, Presse in der polnischen, ukrainischen und deutschen Sprache, die die polnischen Angelegenheiten während des ersten Weltkrieges und die Geschichte der belagerten Festung in Przemyśl betrafen. Das von einer Archivarin, Maria Polaczkówna, angefertigte Inventar des Kriegsarchivs wurde leider nicht erhalten. In der Zeit der II. Republik Polens wurde dagegen ein zweiter Versuch unternommen, die altpolnischen Akten zu ordnen. Der stellvertretende Archivar, Jan Smółka, in Anlehnung an den Katalog von Błażkowski, gab den Stadtdokumenten eine neue Gliederung, und das Ergebnis dieser Bearbeitung war der im Jahre 1927 herausgegebene „Katalog des Archivs der alten Akten der Stadt Przemyśl“. 
  Während des II. Weltkriegs wurde der altpolnische Bestand drei Mal aus der Stadt weggebracht, im Jahre 1940 wurde er von der sovjetischen Besetzungstruppen nach Lwów (Lemberg) gebracht, woher er im Jahre 1943 zurückgekommen ist. Die nochmalige Evakuierung   wurde    von    den  sich zurückziehenden deutschen Truppen angeordnet.
Als Resultat dessen befanden sich die Przemysler Archivalien in Tyniec bei Kraków (Krakau) und wurden erst im Jahre 1947 wiedergewonnen. An Ort und Stelle wurden während der  ganzen Kriegszeit die Dokumente aus dem XIX. Jahrhundert aufbewahrt, die die Geschichte der Stadt betrafen. In der Nachkriegszeit wurde der Archivbestand hauptsächlich um die Akten der Stadt- und Sonderverwaltung, kulturellen Institutionen, Gerichtsakten, Notariatsurkunden und Schulakten aus der ehemaligen Rzeszower Wojewodschaft erweitert. 
   Nach dem Tod von Jan Smółka im Jahre 1951 wurde der Posten des Stadtarchivars von Dozent  Kazimierz Arłamowski übernommen, der das Amt bis zur Zeit der Übernahme des Stadtarchivs durch den Staat im Jahre 1950 ausübte. Laut der Verordnung des Bildungsministers vom 10. November 1950 wurde das Wojewodschaftstaatsarchiv in Rzeszów eingerichtet. Das Archiv der Stadt Przemyśl wurde, nach dessen Einbeziehung in das Archivstaatsnetz im Juni 1951, dem Wojewodschaftstaatsarchiv in Rzeszów untergeordnet. Es erhielt den Namen `´ Wojewodschaftstaatsarchiv in Rzeszów, Filiale Przemyśl``.  Die schwierigen Raumverhältnisse des Wojewodschaftstaatsarchivs in Rzeszów verursachten seine Verlegung nach Przemyśl, wo das Wojewodschaftstaatsarchiv in Rzeszów mit Sitz in Przemyśl gegründet wurde. Gleichzeitig wurde die Filiale in Przemyśl aufgelöst, und an der Stelle des Wojewodschaftstaatsarchivs in Rzeszów entstand eine Lokalfiliale. Direktor des Wojewodschaftstaatsarchivs in Rzeszów mit Sitz in Przemyśl wurde der Dozent Kazimierz Arłamowski. Die Raumverhältnisse, zwar besser als die in Rzeszów, haben jedoch die Bedürfnisse des neugegründeten Archivs nicht befriedigt. Die vorgenommenen Bemühungen führten dazu, daß das Gebäude von der Stadtverwaltung im Januar 1961  der ehemaligen griechisch-katholischen Kirche nach den Basilianermönchen in der PCK Str.4 übernommen wurde. Nach der gründlichen Instandsetzung des erhaltenen Gebäudes fanden hier  Lagerräume, eine Bibliothek, ein wissenschaftliches Arbeitsraum, ein photographisches Atelier, eine Buchbinderwerkstatt und Verwaltungsräume ihren Platz. Der Direktor vom WSA, Dozent Kazimierz Arłamowski, orgenisierte neben seinen Bemühungen um das Gebäude und dessen Instandsetzung, ein Staatsarchivnetz , das mit seiner Tätigkeit das Gebiet der Rzeszower Wojewodschaft umfaßte. Es enstanden der Reihe nach folgende Archive: in Jasło (1952), Tarnobrzeg (1953), Sanok(1954), Przeworsk (1961). Nach der Pensionierung des Direktors Kazimierz Arłamowski im Jahre 1970 wurde der Sitz des WSAs wieder nach Rzeszów verlegt, in Przemyśl dagegen entstand die Lokalfiliale, derer Leiterin Mgr. Wanda Kaput wurde, und nach deren Umzug nach Kraków  Aurelia Dziedziuk. Die Gründung der Przemysler Wojewodschaft im Jahre 1975 und auch die gute Raumbasis des Archivs, der umfangreiche Bestand, die Tradition des wissenschaftlichen und kulturellen Zentrums waren die Grundlage für die Berufung der Verordnung Nr. 4 des Ministers der Wissenschaft, der Hochschulen und der Technik vom 21. Januar 1976 des Wojewodschaftstaatsarchivs in Przemysl, das die Region der Wojewodschaft Przemysl umfaßte. Das Amt der stellvertretenden Direktorin wurde Aurelia Dziedziuk anvertraut, seit dem 1. August 1976 wurde Dr. Zdzisław Konieczny zum Direktor. Dank seinen Bemühungen übergab der Przemysler Präsident im Jahre 1977 dem Archiv zusätzliche Räume des ehemaligen Klosters bei der Basilianerkirche, früher von Nonnen benutzt , die 1976 ausgezogen waren. In den Jahren 1983-1988 wurde das Gebäude wieder renoviert und ausgebaut. Die Bauarbeiten wurden während der normalen Archivstätigkeit ausgeführt, und die Archivangestellten arbeiteten unter sehr schweren Bedingungen. Weitere Veränderungen folgten im Zusammenhang mit den Systemreformen des Staates. Das Gesetz über das Verhältnis zur katholischen Kirche in der Volksrepublik Polen, das 1986 durch den Sejm verabschiedet wurde, ermöglichte Vermögensansprüche der griechisch-katholischen Kirche. Die Basilianermönche nutzten es aus, indem sie ihre Ansprüche zur Vermögenskomission in Warschau erhoben, die mit dem Entschluß vom 1. Oktober über die Rückgabe der ehemaligen Kirche und des Klosters der Basilianermönche entschied. Die Hauptverwaltung der Staatsarchiven in Warschau hatte keine Mittel für den Bau eines neuen Archivgebäudes in Przemyśl. Dank der Unterstützung der Przemysler Institutionen u.a. durch den Stadtpräsidenten von Przemyśl, des Przemysler Wojewoden gelang es dem Archiv das Gebäude der ehemaligen Wasch- und Badeanstalt in Przemyśl zu bekommen. Die Erwerbung der Mittel für die Hauptinstandsetzung und Modernisierung des vom Bildungsministeriums erhaltenen Gebäudes war möglich dank den Bemühungen der Wojewodschaftsbehörden von Przemyśl, zahlreichen Sozialorganisationen, des Hauptdirektors der Staatsarchive in Warschau, und auch des Leiters der Finanzabteilung der Hauptverwaltung der Staatsarchive. Zusätzliche Mittel erwarb man von dem Sejmausschuß der Nationalen und Etnischen Minderheiten, aus dem Rehabilitationfonds für behinderte Personen, des Umweltschutzfonds und vom Wojewodschafts-konservatoren für Kunstwerke. Als Ergebnis der Renovierung, die von 1992 bis 1996 dauerte, besitzt das Staatsarchiv in Przemysl ein Gebäude, das den Archivanforderungen gewachsen ist. In den neuen Lagerräumen befinden sich 7 000 laufende Meter Akten. In dem neuen Gebäude befinden sich außerdem ein antimagnetischer Lagerraum, der zur Aufbewahrung  neuer Datenträger geeignet ist, getrennte Räume zur Annahme der Akten, die keiner Desinfektion bedürfen und separate für die, die einer bedürfen mit einem Vakuumraum für   Aktendesinfizierung, Räume der Konservationsab- teilung ( darunter   photographisch - reprographisches Atelier und Buchbindungswerkstatt), ein für ein Computerzentrum bestimmter Raum und Anschluß zum zukünftigen Computernetz der Archive, eine Bibliothek mit Leseraum, ein kleiner Konferenzsaal, Arbeitszimmer zur Aktenbearbeitung, Büroräume und viele andere, die zum Betrieb eines modernen Archivs nötig sind. 
 
Im Jahre 1996 wurde Dr. Zdzisław Konieczny pensioniert. In  einem Konkurs wurde Mgr. Bogusław Bobusia zum Direktor gewählt. Das Staatsarchiv in Przemyśl arbeitet seit vielen Jahren mit Landgesellschaften, v.a. mit der Przemysler Abteilung des Vereins der Polnischen Archivare, der Przemysler Abteilung der Polnischen Historischen Gesellschaft und der Wissenschaftlichen Gesellschaft, dem Verein der Freunde der Stadt Przemyśl und der Region, dem Polnischen Osteuropäischen Verein und vielen anderen zusammen. Seit ein paar Jahren steht das Archiv im Kontakt mit der Fakultät für Geschichte und Archivlehre der Mikołaj-Kopernik-Universität in Toruń, wo in Rahmen der ergänzenden Studien die Przemysler Archivare ihre Berufsqualifikationen, v.a. im Bereich der Digitalisierung der Archiven, erweitern. Im Jahre 1997 wurde eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit mit dem Zentralen Historischen Staatsarchiv in Lemberg abgeschlossen, in deren Rahmen ein Erfahrungsaustausch und eine Zusammenarbeit im Bereich der gemeinsamen Publikationen unternommen wurde, die den Benutzer den Zugang zu Quelleninformationen ermöglicht. 

  Ausführliche Informationen, die verschiedene Formen der wissenschaftlichen Arbeit, der Verlags-, und Popularisierungsarbeit des Staatsarchivs in Przemyśl betreffen, werden in gedruckten, jährlichen Berichterstattungen über die Tätigkeit der Institution in aufeinanderfolgenden Nummern des „Archivarisch-Historischen Jahrbuches“ herausgegeben.

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